Twitch Partner Plus Programm

Wuhu – Twitch geht einen Schritt auf seine Creator:innen zu und bietet eine 70/30 Aufteilung. Der Traum unserer schlaflosen Nächte, oder? ODER? Wäre da nicht der Haken, nach dem Haken.

Twitch arbeitet gerade auf Hochtouren daran die Plattform umzukrempeln. Die Ausrichtung ist ganz klar: MONEY! Der Weg der dabei bestritten wird sorgt allerdings immer wieder für Kopfschütteln und verärgert Creator:innen und Zuschauer:innen. Diese Woche wurde ein neues Partner Plus Modell angekündigt, dass auf den ersten Blick wie ein Schritt auf die Creator:innen zugeht, aber bei genauerem Hinsehen ist es der Wolf im Schafspelz.

Das Twitch Partner Plus Programm

Die grundsätzlichen Informationen zum Programm:

  • Streamende erhalten 70% der Netto-Einnahmen, Twitch behält nur 30%
  • Das Angebot gilt für 12 Monate
  • Ab einem Betrag von 100.000$ wird wieder auf 50/50 umgestellt
  • Es müssen mindestens 350 wiederkehrende Abonnements vorhanden sein (über 3 Monate)
  • Das Programm wird automatisch freigeschaltet
  • Start ist der 01.10.2023 (Voraussetzungen zählen also dann Juli, August, September)

Klingt doch soweit super, oder? Schließlich haben viele Streamende mehr als 350 Subs und werden jetzt endlich deutlich besser für ihre Arbeit entlohnt. Ja, eigentlich. Wäre das nicht dieser entscheidende Haken.

Der HAKEN an der Sache

Und genau in dieser Grafik gibt es einen entscheidenden Punkt, der einen Großteil aller Streamenden mit mehr als 350 Abonnements aus dem Programm disqualifiziert. Geschenkabos und Prime-Abos zählen nicht mit rein. Bei Prime-Abos kann man noch streiten, weil sie eben anders abgerechnet werden und schon immer eine Sonderstellung hatten. ABER: Geschenkabos, die eben auch bezahlte Abonnements sind, werden nicht mit reingezählt. Fast alle Creator:innen von denen ich in den letzten Tage gelesen habe, fallen deswegen weit unter diese Grenze.

Ziel von Twitch ist es Leute dazu zu bringen selbst ein Abonnement abzuschließen und fortlaufend zu bezahlen, statt nur einmaligen Geschenkabos (auch wenn die Zahl der Abos über Monate auf dem Kanal erreicht wird). Ein große Enttäuschung und wohl wieder nur etwas für die großen Streamenden, die ja in vielen Fällen bereits einen 70/30 Vertrag hatten. Nicht alle, denn irgendwann wurden keine neuen Konditionen mehr ausgegeben. Aber viele haben diese Verträge erhalten. In Deutschland waren bisher zwischen 400-500 regelmäßige Subs notwendig, die Zahlen schwanken da ein bisschen.

Zu dem Thema gibt es einen sehr spannenden Twitter Thread gestartet von Dracon, der einfach offen gefragt hat, wer denn seine Zahlen teilen möchte.

In diesem Twitter Thread zeigt auch Dracon seine Zahlen: 1980 aktuelle Abonnenten, davon 541 bezahlte Abonnementes, 406 Prime Abos, 1032 Prime Abonnements + Tier 2 und 3, sowie mehrmonatig verschenkte Subs.

Trotz insgesamt 1980 Subs, fällt Dracon nur durch die 541 wiederkehrenden Subs in das neue Programm. Die anderen rund 1400 Subs haben keine Bedeutung und das ist einfach fatal und der größte Kritikpunkt.

Geschenk-Abonnements wurden von Twitch eingeführt, damit Personen die mehr geben können und wollen, ausgleichen was andere nicht zahlen können oder wollen. Und es funktioniert, es funktioniert richtig gut.

Schaut man sich den Beitrag und die Antworten an, sind dort viele mit großen Mengen an Geschenk-Abonnements (und Prime-Subs).

Es kommen aber noch zwei Punkte hinzu, die absolut kritisch sind: Bei der Bewertung ob ich mich für das Programm qualifiziere zählen die geschenkten Abonnements nicht mit rein, aber bei der Bewertung wann meine 100.000$ erreicht sind, werden sie mit reingerechnet. Klingt nicht ganz fair.

Schaut man sich des Weiteren an, welcher der erste Bemessungszeitraum für das Programm ist (Juli-September), dann sieht man, dass hier die Sommermonate ausgewählt worden sind, die klassischerweise mit einem kleinen Rückgang an Zuschauer:innen und damit oft auch Abonnements einhergeht. Das heißt zum Start im Oktober werden deutlich weniger Streamende direkt in das Programm aufgenommen, als zum Beispiel in den Wintermonaten.

In vielen Kommentare lese ich den großen Unmut, auch über eine zwei Klassengesellschaft unter den Twitch Partnern. Die gab es allerdings schon immer, nur bisher hinter vorgehaltener Hand, und niemand wusste so Recht, wer jetzt einen besseren Vertrag hat und wer nicht. Jetzt ist es einfach nur transparenter, weil man weiß, dass jedem dieser Anteil zu den gleichen Bedingungen zusteht.

Und wenn man über eine Zwei-Klassen-Gesellschaft reden möchte, kann man sich ärgern, dass es Twitch-Partner gibt die zu exklusiven Ausflügen eingeladen worden sind oder zum Geburtstag eine Torte geschickt bekommen, und die meisten anderen nicht. Die Frage war auch, ob die Partner-Plus Teilnehmer wohl weitere Vorteile bekommen werden: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt, aber für mich nicht undenkbar.

Außerdem habe ich noch Folgendes gefunden:

Hierzu muss aber gesagt werden: Es gibt keine mir bekannte API, die die Zahlen der Abonnements auslesen kann. Die dortigen Daten sind also nicht akkurat. Lowco ist aber eine sehr vertrauenswürdige und renommierte Person in der Streamerwelt und wenn sie solche Daten teilt, werden sie zumindest einen Grundtendenz oder annähernd akkurate Zahl zeigen. Aber hier keine Garantie für Richtigkeit der Daten.

Was zeitgleich passierte

In dieser großen Diskussion ist aber noch eine weitere spannende Sache passiert, die zeigt, dass Twitch sich gerade beim Thema Finanzen etwas einfallen lassen muss.

Der aktuell größte und erfolgreichste Streamer auf Twitch hat einen nicht-exklusiven Vertrag mit der umstrittenen Plattform Kick unterzeichnet und ist damit rein finanziell in die Riege von Profi-Sportlern aufgestiegen.

Besonders an diesem Vertrag: Er ist für 2 Jahre und non-exklusiv. Er wird eine bestimmte Anzahl an Stunden oder Streams auf Kick machen müssen, kann aber ansonsten weiterhin woanders streamen. Wie es mit Geld verdienen auf anderen Plattformen aussieht weiß ich nicht.

Außerdem sollte man bei xQc auch nicht vergessen, dass er bereits in den letzten Monaten immer wieder Glücksspielinhalte geteilt hat und deswegen eine Partnerschaft mit Kick.com (dahinter steckt Stake) nicht ungewöhnlich ist – die Summe allerdings ist ein Meilenstein und vielleicht sogar wegweisend.

Zum Vergleich:

Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Spitzen-Sportler LeBron James hat kürzlich einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben, bei dem eine ähnliche Summe ausgehandelt wurde und damit zählt er zu den Top-Verdiener der Branche.

Dieser Vertrag für xQc ist also ein absolut großes Ding und sollte Twitch einen Dämpfer geben.

Twitch ist weiterhin die einzige Plattform, die einen geringen Split mit ihren Creator:innen hat. Selbstverständlich suchen sich aktuell immer mehr Personen andere Möglichkeiten ihre Finanzen sicherzustellen, denn Twitch scheint willkürlich und unberechenbar Entscheidungen zu treffen, die massiv das Leben und die finanzielle Lage ihrer Creator:innen beeinflussen. Sicherheit, gerade bei einer Selbstständigkeit sind wichtig.

Ich bin ehrlich: Ein Großteil der Streamenden hätte einen 100 Millionen $ Vertrag angenommen – egal welche Plattform. Gerade wenn er nicht exklusiv und auf zwei Jahre beschränkt ist. Man hat ausgesorgt und muss sich um nichts mehr sorgen machen. Außerdem kann man zeitgleich seine Community auf zum Beispiel Twitch behalten.

Mein persönlicher Weg

Ich selbst beschäftige mich schon eine Weile mit dem Thema mich von Twitch unabhängig zu machen. Zwar habe ich auf Twitch meine größte Reichweite, mein Netzwerk und einen Namen, habe mir aber zeitgleich in den letzten Jahren auch mit diesem Blog eine Reichweite aufgebaut. Mit dem Podcast der kürzlich gestartet ist, habe ich ein neues Konzept, das eben mehr ist als nur Streamen und deswegen ist es für mich logisch, dass ich nach Unterstützung für das gesamte Projekt, statt nur für einen kleinen Teil auf Twitch frage.

Für mich führt der Weg aktuell über Steady, dort kann mich jeder unterstützen, der meine Inhalte gut findet und der zukünftig auch Zusatzinhalte haben möchte. Finanziell bleibt für mich dort mehr übrig, als bei einem Abonnement auf Twitch und ich werde unabhängig von der Willkür Twitch.

In meinen Augen werden mehr Creator:innen in naher Zukunft versuchen weitere Standbeine aufzubauen. Das können Seiten wie Steady, Patreon oder Ko-Fi sein, oder aber auch wieder klassisch Youtube, denn hier wurden die Bedingungen zum monetarisieren von Inhalten kürzlich auch angepasst und der Einstieg erleichtert. Einige Streamende werden auch die Plattform verlassen und woanders ihr Glück suchen, und das ist vollkommen legitim. Ich denke allerdings, hier sollte niemand eine voreilige Entscheidung treffen, denn die Community wird nicht einfach mitgehen. Man wird sich vieles neu erarbeiten müssen.

Sagt mit gerne, was ihr für die Zukunft plant und was ihr von der aktuellen Entwicklung haltet?

Kurz AFK – Blog, Podcast und Newsletter sind ein weitesgehend kostenloses Angebot. Wenn dir die Inhalte gefallen und du mehr haben möchtest, dann schau gerne auf Steady vorbei und denke über einen kleinen Support nach!

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